So erstellen Sie einen Work Breakdown Structure, den Teams tatsächlich nutzen
So lässt sich ein Projektstrukturplan erstellen, den Ihr Team im Alltag wirklich nutzt
Ein Projektstrukturplan soll nicht nur vollständig aussehen, sondern die Arbeit im Projekt tatsächlich erleichtern. Dafür muss er so aufgebaut sein, dass das Team ihn im Alltag versteht, pflegt und für seine Entscheidungen nutzt.
Einen Projektstrukturplan erstellen, ausdrucken, rahmen: Vor drei Monaten hat das Projektteam genau das getan. Seitdem hängt das Ergebnis als sauber gerahmtes Poster im Flur neben der Kaffeeküche, vier Ebenen tief, jedes Kästchen ordentlich beschriftet. Die tägliche Arbeit organisiert das Team trotzdem woanders: im Gruppenchat, auf Zuruf zwischen zwei Meetings und in einer Tabelle, deren Existenz nur der Hälfte der Beteiligten bekannt ist.
Genau an diesem Punkt verlieren viele Projektstrukturpläne ihren praktischen Nutzen. Der Plan an der Wand und die Arbeit im Alltag haben sich voneinander getrennt, und niemand kann genau sagen, wann das passiert ist. Das Problem liegt dabei selten am Werkzeug selbst, sondern an der Art, wie es aufgebaut und gepflegt wurde.
Ein Projektstrukturplan, kurz PSP, auch Work Breakdown Structure (WBS) genannt, gliedert ein Projekt vollständig in Teilprojekte und Arbeitspakete und beantwortet die Frage, was alles zum Projekt gehört. Ab etwa 20 bis 30 Einzelaufgaben schafft er die nötige Übersicht, damit ein Projektleiter und mehrere Beteiligte das Vorhaben gemeinsam steuern können. Erstellt wird er in der Planungsphase, bevor Termine und Budgets festgezurrt werden. So entsteht eine Aufgabenhierarchie, in der jedes Element ein klar benanntes Ergebnis und eine verantwortliche Person hat, sodass nichts vergessen wird und nichts doppelt läuft.
Suchbegriffe wie PSP Projektmanagement oder Work Breakdown Structure führen übrigens zum selben Werkzeug: Gemeint ist immer die hierarchische Zerlegung eines Vorhabens in planbare Einheiten. Dieser Artikel zeigt in einem Playbook aus sechs Schritten, wie Sie einen Projektstrukturplan erstellen, der die tägliche Arbeit tatsächlich abbildet. Jeder Schritt endet mit einer klaren Entscheidungsregel, an der Sie erkennen, wann er abgeschlossen ist.
Warum so viele Projektstrukturpläne ungenutzt bleiben
Bevor es mit den sechs Schritten losgeht, lohnt ein Blick auf die Ursachen. Drei Muster tauchen bei verwaisten Plänen immer wieder auf, und alle drei entstehen bereits beim Aufbau, lange bevor jemand den Plan ignoriert.
Das erste Muster ist Überdetaillierung. Ein Plan mit sechs Ebenen und 300 Kästchen wirkt am Tag der Fertigstellung beeindruckend, kostet aber jede Woche mehrere Stunden Pflege, die niemand eingeplant hat. Wie viele Gliederungsebenen im Projekt sinnvoll sind, hängt von der Laufzeit ab: Bei Vorhaben bis etwa sechs Monaten reichen drei bis vier Ebenen, alles darunter gehört in Checklisten statt in eigene Kästchen. Wer tiefer gliedert, baut sich ein Pflegeproblem in den Plan ein.
Muster Nummer zwei ist das eingefrorene Dokument. Der Plan entsteht im Kickoff, wird als PDF verteilt und danach nie wieder angefasst. Nach der ersten Änderung stimmt ein Kästchen nicht mehr, nach der fünften traut das Team dem gesamten Dokument nicht mehr. Ein Plan, der die Realität von vor acht Wochen zeigt, wird zu Recht ignoriert.
Beim dritten Muster fehlt der Bezug zur täglichen Arbeit. Der Plan lebt in einem Zeichenprogramm, die Aufgaben leben im Chat und in Tabellen. Wer wissen will, was heute ansteht, schaut nicht in ein statisches Schaubild, sondern dorthin, wo die Arbeit verteilt wird. Zwei getrennte Welten bedeuten doppelte Pflege, und doppelte Pflege unterbleibt erfahrungsgemäß nach wenigen Wochen.
Die folgenden sechs Schritte setzen an genau diesen drei Stellen an: Sie begrenzen die Tiefe, bauen den Pflegerhythmus von Anfang an ein und verankern den Plan dort, wo das Team ohnehin arbeitet.

Schritt eins und zwei: das Projektziel schärfen und das Gliederungsprinzip wählen
Die ersten beiden Schritte legen das Fundament, noch bevor das erste Kästchen gezeichnet wird. Wer sie überspringt, korrigiert später an zwanzig Stellen gleichzeitig.
Schritt 1: Das Projektziel in einem Satz festhalten
Am Anfang steht ein einziger Satz, der drei Dinge enthält: das messbare Ergebnis, den Termin und die Abgrenzung. Für einen Website-Relaunch könnte er lauten: „Nach zwölf Wochen ist die neue Unternehmenswebsite live, alle 120 bestehenden Seiten sind migriert, und das Kontaktformular übergibt Anfragen an das CRM-System.“ Dieser Satz ist später der Maßstab für jedes Element im Plan: Was nicht auf das Ziel einzahlt, bekommt kein Kästchen.
Genauso wertvoll ist der zweite Teil der Übung, das bewusste Ausklammern. Ein kurzer Absatz mit „Gehört nicht zum Projekt“ - etwa der neue Blog-Bereich oder die englische Sprachversion - verhindert Diskussionen in Woche acht, wenn jemand fragt, warum diese Themen nirgends auftauchen.
Entscheidungsregel: Der Schritt ist abgeschlossen, wenn jedes Mitglied des Kernteams das Ziel ohne Blick in die Unterlagen wiedergeben kann und dabei dieselben drei Eckdaten nennt: Ergebnis, Termin, Abgrenzung. Weichen die Antworten voneinander ab, ist der Satz noch nicht scharf genug.
Schritt 2: Ein Gliederungsprinzip wählen und pro Ebene durchhalten
Jetzt fällt die Grundsatzentscheidung, nach welcher Logik die erste Ebene unter dem Projektnamen aufgeteilt wird. Drei Prinzipien haben sich etabliert: Die phasenorientierte Gliederung folgt dem zeitlichen Ablauf, die objektorientierte Gliederung zerlegt das Endergebnis in seine Bestandteile, und die funktionsorientierte Gliederung ordnet nach beteiligten Fachbereichen. Ein direkter Vergleich macht die Wahl leichter:
|
Kriterium |
Phasenorientierte Gliederung |
Objektorientierte Gliederung |
Funktionsorientierte Gliederung |
|---|---|---|---|
|
Leitfrage der ersten Ebene |
Wann passiert was? |
Woraus besteht das Ergebnis? |
Welcher Bereich übernimmt was? |
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Erste Ebene besteht aus |
Phasen wie Konzeption, Umsetzung, Test |
Komponenten wie Gebäudeteil, Modul, Baugruppe |
Bereichen wie Entwicklung, Marketing, Einkauf |
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Passt gut zu |
Vorhaben mit klarem Ablauf, etwa Relaunch oder Firmenevent |
physischen oder technischen Ergebnissen, etwa Maschine oder Anlage |
Vorhaben, die entlang bestehender Abteilungen laufen |
|
Typische Schwäche |
Querschnittsthemen ohne eigene Phase |
Abläufe bleiben unsichtbar |
Begünstigt Abteilungsdenken |
Als Entscheidungshilfe je Projekttyp: Hat das Vorhaben einen erkennbaren Ablauf mit klaren Etappen, wählen Sie die phasenorientierte Gliederung. Entsteht ein zerlegbares Produkt wie eine Anlage, ein Gebäude oder eine Software mit klar getrennten Modulen, passt die objektorientierte Gliederung. Die funktionsorientierte Variante eignet sich, wenn mehrere Abteilungen weitgehend unabhängig voneinander zuliefern. Eine Mischung über mehrere Ebenen hinweg ist erlaubt, etwa Phasen auf der zweiten und Objekte auf der dritten Ebene. Innerhalb einer Ebene bleibt das Prinzip einheitlich, sonst entstehen Lücken und Doppelungen.
Entscheidungsregel: Der Schritt ist abgeschlossen, wenn auf jeder Ebene genau ein Prinzip gilt. Stehen auf derselben Ebene eine Phase („Konzeption“) und eine Abteilung („Marketing“) nebeneinander, ist die Wahl noch nicht sauber getroffen.
Mit Ziel und Prinzip steht das Gerüst. Die nächsten beiden Schritte füllen es mit Inhalt.
Bauplan-Workshop-Paket: Vorlagen, Leitfragen und Agenda
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Schritt drei und vier: Teilprojekte schneiden und die 100-Prozent-Regel anwenden
Nun entsteht die zweite Ebene des Plans und mit ihr die wichtigste Qualitätsprüfung des gesamten Verfahrens.
Schritt 3: Teilprojekte gliedern und überschneidungsfrei schneiden
Wer Teilprojekte gliedern will, sucht die vier bis neun großen Blöcke, aus denen das Vorhaben besteht. Weniger als vier Blöcke deuten darauf hin, dass zu grob geschnitten wurde; mehr als neun überfordern die Übersicht auf einer Ebene. Jedes Teilprojekt braucht ein klar benanntes Ergebnis, das sich in zwei bis drei Worten fassen lässt, und eine klare Kante zu seinen Nachbarn.
Wer im Netz nach einem Projektstrukturplan-Beispiel sucht, findet meist Bauprojekte. Ein Fall aus dem Büroalltag ist greifbarer: Der Website-Relaunch aus Schritt eins, mit einer Laufzeit von zwölf Wochen und einem Kernteam von fünf Personen, wird phasenorientiert in sechs Teilprojekte gegliedert: Projektleitung, Konzeption, Design, technische Umsetzung, Content-Migration sowie Test und Go-live. Die Projektleitung steht dabei bewusst als eigenes Teilprojekt im Plan, denn Koordination kostet Arbeitszeit, die sonst nirgends sichtbar wäre.
Entscheidungsregel: Der Schritt ist abgeschlossen, wenn jede beliebige Aufgabe aus dem Projekt genau einem Teilprojekt zugeordnet werden kann. Passt eine Aufgabe in zwei Blöcke gleichzeitig, überlappen die Schnitte und müssen nachgezogen werden.
Schritt 4: Die 100-Prozent-Regel anwenden
Hinter der 100-Prozent-Regel steht ein einfacher Gedanke: Jede Ebene des Plans enthält den vollständigen Umfang der Ebene darüber, kein Stück mehr und kein Stück weniger. Die sechs Teilprojekte des Relaunchs decken zusammen also exakt das ab, was der Zielsatz aus Schritt eins beschreibt. Fehlt etwas, wird es später als Überraschung auftauchen; steht etwas Zusätzliches im Plan, bindet es Arbeitszeit ohne Beitrag zum Ziel.
Für die Prüfung geht das Kernteam den Plan Ebene für Ebene durch und stellt zwei Fragen: „Was fehlt, damit das übergeordnete Element wirklich komplett ist?“ und „Zahlt jedes Element auf das Ziel ein?“ Ein bewährter Zusatztest: Nehmen Sie drei erledigte Aufgaben aus einem ähnlichen früheren Projekt und prüfen Sie, ob jede davon im neuen Plan einen eindeutigen Platz hätte. Beim Relaunch-Beispiel fiele so vielleicht auf, dass die Weiterleitungen der alten URLs bisher in keinem Teilprojekt vorgesehen sind - ein klassisches Loch, das erst am Tag des Go-live schmerzt.
Ein Warnsignal verdient besondere Aufmerksamkeit: das Kästchen „Sonstiges“. Wo es auftaucht, wurde die Zerlegung abgebrochen, bevor sie fertig war. Ein Sammelbecken für Unklares verstößt formal nicht gegen die 100-Prozent-Regel, verschiebt aber die Planungsarbeit in die Zukunft, wo sie teurer wird.
Entscheidungsregel: Der Schritt ist abgeschlossen, wenn kein Element „Sonstiges“ oder „Diverses“ heißt und die drei Stichproben aus dem Zusatztest eindeutig zugeordnet werden konnten.
Damit steht die Struktur. Die letzten beiden Schritte machen aus den Kästchen konkrete, steuerbare Arbeit.
Schritt fünf und sechs: Arbeitspakete definieren und Verantwortlichkeiten zuordnen
Auf der untersten Ebene des Plans liegen die Arbeitspakete, und an ihnen zeigt sich, ob der Plan im Alltag trägt oder nur an der Wand hängt.
Schritt 5: Arbeitspakete definieren, die sich schätzen und abnehmen lassen
Für den Zuschnitt der Pakete gilt eine bewährte Faustregel aus dem Projektmanagement, die 8/80-Regel: Ein Paket sollte mindestens 8 und höchstens 80 Stunden Aufwand umfassen. Kleinere Häppchen gehören als Punkte in eine Checkliste innerhalb des Pakets, größere Brocken lassen sich weder seriös schätzen noch sinnvoll kontrollieren.
Am Relaunch-Beispiel durchgerechnet: Das Teilprojekt Content-Migration umfasst 120 Seiten. Ein Redakteur überträgt und prüft im Schnitt 10 Seiten pro Arbeitstag, was 12 Arbeitstage ergibt, bei 8-Stunden-Tagen also 96 Stunden. Das überschreitet die 80-Stunden-Grenze. Als ein einziges Paket wäre die Migration zu groß zugeschnitten. In drei Pakete zu je 40 Seiten aufgeteilt, kommt jedes Paket auf vier Arbeitstage oder 32 Stunden und lässt sich damit gut schätzen und nach jeweils einer knappen Woche abnehmen. Drei Pakete zu 32 Stunden summieren sich wieder auf die 96 Stunden des Ausgangswerts, die Rechnung bleibt geschlossen.
Woran ein gutes Arbeitspaket erkennbar ist, lässt sich als kurze Prüfliste festhalten:
- Das Ergebnis lässt sich in einem Satz benennen, etwa „Seiten 1 bis 40 sind migriert und geprüft“.
- Der Aufwand liegt zwischen 8 und 80 Stunden und wurde von der ausführenden Person selbst geschätzt.
- Genau eine Person trägt die Verantwortung für die Fertigstellung.
- Ein Fertig-Kriterium legt fest, wann das Paket als abgeschlossen gilt und wer das abnimmt.
- Das Paket lässt sich bearbeiten, ohne dass ständig auf ein anderes Paket gewartet werden muss.
Entscheidungsregel: Der Schritt ist abgeschlossen, wenn jedes Arbeitspaket alle fünf Punkte der Prüfliste besteht. Fällt ein Paket bei zwei oder mehr Punkten durch, ist es meist falsch geschnitten und sollte neu zugeschnitten statt nachgebessert werden.
Schritt 6: Jedem Arbeitspaket genau eine verantwortliche Person geben
Im letzten Schritt werden die Verantwortlichkeiten zugeordnet, und an dieser Stelle scheitern die meisten Pläne. Ein Kästchen mit dem Vermerk „Team“ gehört niemandem, und was niemandem gehört, bleibt liegen. Pro Arbeitspaket wird genau eine Person benannt, die für die Fertigstellung geradesteht. Mitarbeiten dürfen viele, die Verantwortung trägt jedoch nur eine Person.
Zur Zuordnung gehört auch der Lastausgleich. Wer die Namensspalte des fertigen Plans durchzählt, erkennt sofort, ob eine Person zehn offene Pakete verantwortet, während eine andere zwei betreut. In einem Relaunch-Kernteam mit fünf Personen sind die drei Migrationspakete beispielsweise eine typische Stelle, an der alles bei einer einzigen Redakteurin landet, obwohl ein zweiter Kollege nach kurzer Einarbeitung eines der drei Pakete übernehmen könnte.
Entscheidungsregel: Der Schritt ist abgeschlossen, wenn in der Namensspalte kein Feld leer ist, kein Feld einen Gruppennamen enthält und jede eingetragene Person ihrer Nennung ausdrücklich zugestimmt hat.
Nach diesen sechs Schritten existiert ein vollständiger, geprüfter und personalisierter Plan. Ob er lebt, hängt jetzt von seiner Pflege ab.
Vom Papier in den Alltag: So bleibt der Plan lebendig
Ein Projektstrukturplan veraltet nicht durch Fehler, sondern durch Stillstand. Drei Gewohnheiten halten ihn aktuell, und alle drei kosten zusammen weniger als eine Stunde pro Monat und Person.
Der Pflegerhythmus kommt zuerst: Reservieren Sie in jedem zweiten Jour fixe 15 Minuten für den Plan. Das Team prüft dabei drei Dinge: Sind abgeschlossene Pakete als erledigt markiert? Gibt es neue Anforderungen ohne Kästchen? Stimmen die Verantwortlichen noch? Alle zwei Wochen 15 Minuten reichen aus, weil sich in diesem Takt selten mehr als eine Handvoll Änderungen ansammelt.
Die zweite Gewohnheit lautet: erst das Kästchen, dann die Arbeit. Taucht eine neue Anforderung auf, wird sie zuerst als Arbeitspaket in den Plan aufgenommen, mit Aufwand und verantwortlicher Person, und die Arbeit daran beginnt erst danach. Diese Reihenfolge klingt bürokratisch, kehrt aber das übliche Vorgehen um: Der Plan dokumentiert die Arbeit dann nicht mehr im Nachhinein, sondern verteilt sie im Voraus. Wer einen Projektstrukturplan erstellen und dauerhaft nutzen will, profitiert von dieser Gewohnheit besonders.
Als Drittes gehört die Pflege in viele Hände. Die verantwortlichen Personen aktualisieren ihre eigenen Pakete selbst, der Projektleiter kümmert sich ausschließlich um die oberen Ebenen und die Vollständigkeit. Ein Plan, den fünf Leute gemeinsam pflegen, überlebt jeden Urlaub; ein Plan, der an einer einzigen Person hängt, stirbt mit deren erster Dienstreise.
Wann ein Projektstrukturplan angepasst werden muss
So nützlich das Werkzeug ist, es passt weder zu jedem Vorhaben noch zu jeder Arbeitsweise. Wer die Grenzen kennt, spart sich Aufwand an der falschen Stelle.
Kleine Vorhaben sind die erste Grenze. Für ein Projekt mit weniger als 15 Aufgaben und ein bis zwei Beteiligten möchte kaum jemand einen Projektstrukturplan erstellen, und das zu Recht: Eine einfache Aufgabenliste mit Terminen leistet dort dasselbe bei einem Bruchteil des Pflegeaufwands. Die Struktur lohnt sich erst, wenn die Zahl der Aufgaben die Merkfähigkeit einer einzelnen Person übersteigt.
Hochdynamische Projekte bilden die zweite Grenze. Ändern sich die Anforderungen wöchentlich, etwa in einer frühen Produktentwicklung, veraltet jede detaillierte Zerlegung schneller, als das Team sie pflegen kann. Hier arbeitet man besser mit einem priorisierten Backlog und behält vom Projektstrukturplan höchstens die obersten zwei Ebenen als stabile Landkarte, während die Ebene der Arbeitspakete bewusst offen bleibt.
Nützlich sind schließlich klare Abbruchkriterien, also verabredete Signale, die zeigen, wann der Plan mehr kostet als nützt. Zwei haben sich bewährt: wenn die Pflege pro Woche mehr Zeit frisst, als das Team durch schnelleres Finden und klarere Zuständigkeiten einspart, oder wenn das Team drei Jours fixes in Folge ohne einen einzigen Blick in den Plan auskommt. Beides bedeutet nicht das Ende der Planung, sondern den Wechsel auf ein leichteres Format wie eine Aufgabenliste. Ein Werkzeug, das gegen die Arbeitsweise des Teams kämpft, verliert immer.
Projektstrukturplan erstellen mit Bitrix24: von der Vorlage bis zum Gantt-Diagramm
Die drei eingangs beschriebenen Muster - zu detailliert, eingefroren, ohne Alltagsbezug - verschwinden am zuverlässigsten, wenn der Plan direkt im Aufgabensystem des Teams lebt. Genau das leisten die Aufgaben- und Projektfunktionen von Bitrix24.
Die Aufgabenhierarchie lässt sich dort über drei Stufen abbilden: Ein Projekt bündelt das gesamte Vorhaben, Aufgaben stehen für die Teilprojekte der zweiten Ebene, und Unteraufgaben übernehmen die Rolle der Arbeitspakete. Checklisten innerhalb jeder Unteraufgabe fangen die kleinteiligen Schritte auf, die nach der 8/80-Regel kein eigenes Paket verdienen. Jede Aufgabe hat genau eine verantwortliche Person sowie Beobachter und Mitwirkende.
Das Gantt-Diagramm ordnet die Aufgaben und Unteraufgaben anschließend auf einer Zeitachse an und macht Fristen sowie Abhängigkeiten sichtbar. Wird ein Arbeitspaket als erledigt markiert, aktualisiert sich zugleich der Stand des Projekts. Automatisierungsregeln können dabei wiederkehrende Schritte wie Statusänderungen und Benachrichtigungen übernehmen. So beschränkt sich die regelmäßige Pflege weitgehend auf die Kontrolle, ob Aufgaben, Zuständigkeiten und Termine noch aktuell sind.
Wiederkehrende Vorhaben profitieren von Aufgabenvorlagen: Wer denselben Projekttyp mehrfach durchläuft, etwa jeden Herbst eine Kampagne durchführt oder regelmäßig Kundenprojekte nach gleichem Muster umsetzt, speichert die bewährte Struktur einmal als Vorlage und erzeugt daraus künftige Projekte samt Unteraufgaben und Checklisten. Die im Netz oft gesuchte Projektstrukturplan-Vorlage existiert hier nicht als Dokument, sondern als wiederverwendbares Projekt: Ein Klick legt eine fertig gegliederte Struktur an, in der nur noch Namen und Termine angepasst werden.
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Jetzt startenFAQ
Wie kann ich einen Projektstrukturplan erstellen?
Einen Projektstrukturplan erstellen Sie in sechs Schritten: Projektziel schärfen, Gliederungsprinzip wählen, Teilprojekte gliedern, die 100-Prozent-Regel anwenden, Arbeitspakete definieren und Verantwortlichkeiten zuordnen. Jeder Schritt hat eine klare Entscheidungsregel, an der Sie erkennen, ob er abgeschlossen ist, etwa daran, dass jedes Arbeitspaket genau eine verantwortliche Person hat.
Welche Fehler sollte man vermeiden, wenn man einen Projektstrukturplan erstellen will?
Wer einen Projektstrukturplan erstellen will, sollte drei Fehler vermeiden: eine zu tiefe Gliederung mit mehr als vier Ebenen, das Einfrieren des Plans nach dem Kickoff und die Trennung vom Aufgabensystem des Teams. Alle drei führen dazu, dass der Plan veraltet und ignoriert wird.
Was gehört in einen Projektstrukturplan und was nicht?
Der vollständige Umfang des Projekts gehört in einen Projektstrukturplan, gegliedert in Teilprojekte und Arbeitspakete nach der 100-Prozent-Regel. Nicht hinein gehören Reihenfolgen, Termine und Abhängigkeiten: Der Projektablaufplan ordnet die Arbeitspakete und bildet ihre Abhängigkeiten ab, der Terminplan ergänzt Dauern und konkrete Termine. Der Strukturplan klärt das Was, der Ablaufplan die Reihenfolge und der Terminplan das Wann.
Nach welchen Prinzipien gliedert man ein Projekt in Arbeitspakete?
Ein Projekt lässt sich nach drei Prinzipien gliedern: phasenorientiert entlang des Ablaufs, objektorientiert entlang der Bestandteile des Ergebnisses oder funktionsorientiert entlang der beteiligten Bereiche. Pro Gliederungsebene gilt genau ein Prinzip; über die Ebenen hinweg darf gemischt werden.
Wie viele Gliederungsebenen braucht ein Projektstrukturplan?
Ein Projektstrukturplan braucht bei Vorhaben mit einer Laufzeit von bis zu etwa sechs Monaten drei bis vier Gliederungsebenen: Projekt, Teilprojekte, Arbeitspakete und bei Bedarf eine Zwischenebene. Feinere Schritte gehören in Checklisten innerhalb der Arbeitspakete, sonst steigt der Pflegeaufwand schneller als der Nutzen.
Was ist der Unterschied zwischen Projektstrukturplan und Projektablaufplan?
Der Unterschied zwischen Projektstrukturplan und Projektablaufplan liegt in der Blickrichtung: Der Strukturplan zerlegt das Projekt statisch in Teilprojekte und Arbeitspakete und beantwortet, was alles dazugehört. Der Ablaufplan ordnet diese Pakete danach in eine zeitliche Reihenfolge mit Abhängigkeiten und Terminen.
Wie oft sollte ein Projektstrukturplan aktualisiert werden?
Ein Projektstrukturplan sollte in einem festen Rhythmus aktualisiert werden, bewährt haben sich 15 Minuten in jedem zweiten Jour fixe, also alle zwei Wochen. Neue Anforderungen werden zusätzlich sofort als Arbeitspaket aufgenommen, bevor die Arbeit daran beginnt, damit der Plan die Arbeit verteilt statt ihr hinterherzulaufen.